Monatsspruch Juni 2020

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“         1. Könige 8, 39

Liebe Leserinnen und Leser,

„Du hast einen weiten Weg vor dir“. Das wird dem Elia im Alten Testament gesagt. So heißt es im Monatsspruch für Juli und als ich das gelesen hatte, fragte ich mich: „Wie lang wird wohl der Weg noch sein, bis wir das Corona-Virus überwunden haben?“ Ja, auch für uns gilt doch: Ihr habt noch einen weiten Weg vor euch.

Übrigens: „Steh auf und iss.“ Dieser Satz wird Elia nicht nur einmal zugesprochen. Steh auf und iss! Eine wiederholt ausgesprochene Einladung. Das bedeutet, Elia wird nicht zur Eile angetrieben; er wird nicht unter Druck gesetzt. Elia darf zur Ruhe kommen. Er soll sich für einen weiten Weg stärken. Für weite Wege braucht es Kraft und Ausdauer. Kraftschöpfen braucht Zeit.

Und Elia stand auf und aß und trank und ging. Alles hat seine Zeit. Jedes einzelne Tun be­kommt seine Zeit und damit seinen Stellenwert, seine Bedeutung. Fast wie bei uns aktuell. Langsam Schritt für Schritt in die Lockerungen und vielleicht auf dem Weg auch wieder anhaltend, je nach Situation.

Elia bricht auf, lässt hinter sich, was war, wagt das Leben neu und macht sich auf den Weg zum Berg Horeb. Und hier ist noch etwas Merkwürdiges festzustellen. Horeb -wörtlich die Dürre, das Ödland. Kann das das neue Lebensziel sein? Steht Elia damit nicht wieder am Anfang, zurückgeworfen auf das, was war?

Worauf gehen wir zu, wirtschaftlich, mit Abstandsregel und Mund- und Nasenschutz?

Horeb, der Berg Gottes, steht für die Botschaft dieser Geschichte, für die Erfahrung von Elia. Wüstenzeiten des Lebens sind kein gottvergessenes Terrain, sondern Gottes Land. Ödland, das Land dazwischen, ist kein Niemandsland, sondern Gottes Land-Horeb.

Auch auf den Durststrecken unseres Lebens, in Zeiten, in denen uns alles unsicher und zur Last wird, dürfen wir mit Gottes Gegenwart rechnen. Bei Elia ist es der Engel, der ihn anrührt und sagt: „Steh auf und iss!“ Der Engel hat ihn auf den Weg gebracht. Ein Bote Gottes, der ins Leben zurückruft. Er ist da - im richtigen Moment. Als Elia ganz am Ende ist. Ohne Mut und Hoffnung. Da ist der Engel bei ihm und rührt ihn an. Er lässt Elia nicht fallen in den Schatten des Todes, sondern holt ihn heraus. Mit Hilfe des Engels kommt Elia wieder auf die Beine, seine Verzweiflung wandelt sich in neuen Mut und der Engel zeigt ihm: Du bist noch nicht am Ende, du hast noch viel vor dir.

Wie gut, dass es Engel gibt. Sie zeigen uns die Möglichkeiten des Lebens, gerade wenn alle Wege verschlossen scheinen. Der Schmerz, die Angst und Sorge können allen Lebensmut verzehren. Die Engel zeigen uns, dass das Leben noch viele Möglichkeiten für uns bereit hält, von denen wir noch gar nichts wissen.

Für Martin Luther war das selbstverständlich. In seinem Morgengebet heißt es: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“ So sollte jeder Tag beginnen: mit der Bitte, dass Gottes Engel bei uns ist. Der kann uns begleiten und trösten, der bietet uns Schutz und öffnet uns die Augen für den Himmel über uns und in uns. Der Engel, den Luther meint, ist die gute Macht Gottes, die jedem persönlich gilt. Gott ist unverfügbar und doch ist seine Liebe erfahrbar im Engel, der uns begleitet.

Das ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben; so, als könnte uns nichts passieren, weil die Schutzengel schon auf uns aufpassen. Aber im Vertrauen auf Gottes Engel kann ich wissen: Ich bin nicht allein auf den Wegen des Lebens. Ich bleibe geborgen im Schutz des Engels Gottes.    Deshalb gilt: Gib nicht auf, steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir, aber er ist schaffbar.

Es grüßt im Namen des Kirchenvorstandes und der MitarbeiterInnen

                                                                                                                 Ihre Pfarrerin Jutta Gildehaus

Monatsspruch Juli 2020

„Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“         1. Könige 19, 7

 

Jahreslosung 2020:

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"  Markus 9, 24